Fühle ich mich berufen, eine Grammatik der internationalen Sprache Esperanto zu schreiben? Nein, ich würde mein Zeit gern mit anderen Dingen verbringen.
Warum mache ich es? In den vielen Jahren, in denen ich mit der Sprache beschäftige, an Kongressen teilgenommen, übersetzt und Texte verschiedenen Inhalts geschrieben und korrigiert habe, musste ich feststellen, dass es im Wesentlichen zwei Arten von Büchern zur Eo-Grammatik gibt. Einmal gibt es verhältnismäßig kleine Grammatiken, die die 16 Regeln mit einigen Erweiterungen wiedergeben. Das hilft vielleicht im Esperanto-Kursus, keinesfalls kann man damit lange Texte übersetzen oder verfassen.
(Aber was sind sind die 16 Regeln? Die gesamte Grammatik bilden sie nicht ab, sondern sie definieren die Sprache. Wer diese Regeln einhält, spricht Esperanto. Wer nicht, der spricht irgendein Kauderwelsch. Die Grammatik ist viel mehr.)
Daneben gibt es einige dicke Bücher vor allem in Esperanto, die den Sprachgebrauch analysieren. Die Plena Analiza Gramatiko kommt auf rund 600 Seiten, das Plena Manlibro de Esperanta Gramatiko sogar auf 748 Seiten. Diese Bücher können vor allem eins nicht: Demjenigen, der die Sprache lernt und seine ersten Schritte in der neuen Sprache unternimmt, hilfreich unter die Arme greifen. Ein Anfänger nimmt keine dicken Wälzer in einer fremden Sprache zur Hand, weil er zurecht befürchtet, dass er nichts von dem versteht, was dort steht. Bücher mit hunderten von Seiten trägt man nicht im Alltag mit sich herum, und man hat sie auch nicht auf seinem Tablet-PC. Und: Die wenigsten sind Sprachwissenschaftler oder kennen sich mit der Fachsprache aus.
Damit sind wir genau an dem Punkt, an dem ich zu Beginn meines Esperantisten-Daseins war. Einzig der Göhl (Ausführliche Sprachlehre des Esperanto) stand zwischen beiden Fronten: Er war ausführlich, in Deutsch und nicht zu umfangreich. Seine Nachteile: Er hatte ein grauenhaftes, ziemlich unübersichtliches Layout und ist aus heutiger Sicht in seinen Fachbegriffen inzwischen veraltet. Der Nachdruck von 1973 kommt auf etwa 300 Seiten im Format 14,5 x 20,3 cm.
Welche grammatischen Kenntnisse kann ich voraussetzen? Ich wurde 1962 eingeschult, und unser Jahrgang war der erste, der etwa ab der 5. Klasse im Deutsch- und Fremdsprachenunterricht komplett auf die deutschen Bezeichnungen für grammatische Fachbegriffe verzichtete. Ich weiß zwar, was Haupt- und Dingwörter sind, doch in der Schule haben wir mit Substantiven gearbeitet. Natürlich haben sich das nicht alle Schüler eingeprägt, und die meisten haben längst vergessen, was Substantive, Verben und Adjektive sind. Trotzdem setze ich Kenntnisse voraus, die in etwa dem Wissensstand eines guten Schülers der achten bis zehnten Klasse einer Polytechnischen Oberschule der DDR entsprechen. (Russisch wurde ab der fünften, die fakultative zweite Fremdsprache, in der Regel Englisch, ab der siebten Klasse unterrichtet.)
Quelle: Gräf, G., Hoffmann, S., Klein,F.: English for you 1. Begleitmaterial zum Fernsehunterricht. Berlin: Volk und Wissen 1970. S. 76.
Ich bevorzuge Lehrmaterialien, die mir kurz und knapp einen Sachverhalt erklären und anschließend mit treffenden Beispielen erläutern. So habe ich auch versucht, die Grammatik aufzubauen.
Deshalb nenne ich sie Alltags-Grammatik: Sie soll den Benutzer durch die alltäglichen Probleme der Sprache begleiten. Sie ist keine wissenschaftliche Abhandlung. Sie analysiert niemandes Sprachgebrauch. Mein Blickwinkel ist der eines Übersetzers und Autors. Ich hoffe, dass ich grammatische Zusammenhänge mit ausreichender Genauigkeit beschrieben habe, ohne zu sehr ins Detail zu gehen und dadurch den Leser zu verwirren.
Ich konzentriere mich nicht darauf, WAS etwas ist, sondern WIE etwas im Esperanto umgesetzt wird. Das WAS muss der Interessierte in den Grundlagen - mehr wird nicht gebraucht - aus der Schule mitbringen oder sich im Internet anlesen, und das WIE wird ähnlich einem Lehrbuch an Beispielen erläutert.
Jetzt komme ich zu einem schwierigen Thema. Als "ita/ata-Streit" steht das Partizip Passiv seit Jahrzehnten im Mittelpunkt vieler sprachlicher Auseinandersetzungen. Dazu muss man sich klarmachen, dass es in der deutschen Sprache ein Vorgangspassiv und ein Zustandspassiv gibt. Das Vorgangspassiv beschreibt eine Handlung (Das Fenster wird geöffnet.), das Zustandspassiv den Zustand nach einer Handlung (Das Fenster ist geöffnet.). Ersteres wird mit dem Hilfsverb "werden" gebildet, letzteres mit "sein". Im Esperanto gibt es nur ein Hilfsverb "esti". Ohne auf die Herleitung einzugehen: Ich betrachte das Passiv im Esperanto grundsätzlich als Vorgangspassiv. Wer eine ausführliche Begründung braucht, lese die Bücher von Geraldo Mattos, Quellenangabe befindet sich in der Alltags-Grammatik.
Was halte ich noch für notwendig zu sagen?
- Ich habe beim Verfassen des Buches sehr viel über Grammatik lernen müssen und bin trotzdem kein Sprachwissenschaftler geworden.
- Im Handel und selbst bei Ebay sind aktuell kaum deutschsprachige Esperanto-Grammatiken erhältlich. Ich möchte diese Lücke mit einem kostenlosen, sofort und überall verfügbaren elektronischen Buch schließen, das man bei Bedarf ohne besonderen Aufwand in eine Ausgabe auf Papier umwandeln kann.
- Ich habe festgestellt, dass es offensichtlich keine YouTube-Videos zum Thema »Deutsch für Ausländer« und keine Webseiten mit Hilfen zum Deutschunterricht für Schüler gibt, die inhaltlich fehlerfrei sind. Das ist sehr bedenklich. Ähnliches gilt für das Fach Mathematik. Viele Autoren verbergen in einem Wust von Wörtern das Wesentliche, das manchmal in einem Nebensatz zu finden ist und man erst beim dritten Durchlesen bemerkt, oder ihr eigenes Unwissen. Einige Autoren beschreiben etwas richtig und bringen mit ihren anschließenden Beispielen alles wieder durcheinander.
- Das Layout, das Arrangement von Texten und Bildern, sowohl in Büchern als auch im Internet trägt meiner Meinung nach nicht dazu bei, das Lernen und Begreifen zu unterstützen. Die einen gestalten ihre Werke immer noch wie vor zwanzig Jahren (unendliche Wüsten aus schlecht gegliedertem Text), die anderen überfrachten ihre Seiten mit fetten Überschriften und grafischen Elementen, zwischen denen der Nutztext untergeht. Ich sollte mich vielleicht nicht zu weit aus dem Fenster lehnen … ich mag gut gestaltete, aufgelockerte Texte, Aufzählungslisten und Tabellen.
Wer mich auf Fehler, Unstimmigkeiten und Ähnliches aufmerksam machen oder mit mir diskutieren will, kann dies gern tun. Wer meine E-Mail-Adresse nicht kennt: über den Esperanto-Verband an michael.lennartz.
Nachdem Sie meine lange Einführung in die Alltags-Grammatik des Esperanto überstanden haben: Hier ist der Link zum Download.
https://tiny.cc/mlgramm (Der konkrete Pfad zur Datei kann sich ändern.)
Sie können das Buch im Copyshop drucken lassen (Titelbild und Rückseite sind in der PDF-Datei enthalten) oder die Datei auf Tablet-PC oder Computer kopieren. Je nach Druckerei können Sie das Material als Loseblattsammlung, gelocht, als Broschüre oder in verschiedenen Bindungsarten herstellen lassen. Dafür beträgt der Preis nach meinen Recherchen 8 bis 20 Euro. Ein Tablet-PC sollte eine Bildschirmdiagonale von 10 Zoll haben.
Mein Arbeitsexemplar habe ich mit Spiralbindung (Drahtkammbindung) und auf Papier mit einem Gewicht von 100 g/m² herstellen lassen für eine einfache Handhabung und lange Lebensdauer.
Mein gedrucktes Exemplar stammt von "drucksofa.de".
Das Urheberrecht liegt bei mir, ich erlaube und wünsche die kostenlose, zeitlich unbegrenzte Nutzung und Verbreitung der Datei.



